4 Einphasige Wechselstrommotoren
Wechselstrommotoren sind Elektromotoren, die mit einer ein- oder mehrphasigen Wechselspannung betrieben werden. Häufiger sind allerdings solche Motoren, die mit einer mehrphasigen Wechselspannung versorgt werden; man nennt sie Drehstrommotoren. Wir werden sie noch ausführlich in Kapitel 5 kennenlernen.
Im folgenden Kapitel stelle ich nun zwei grundlegend verschiedene Wechselspannungsmotoren vor, die problemlos an eine einphasige Wechselspannung aus einer Steckdose (= 230V) angeschlossen werden können.
Der Universalmotor ist eigentlich ein Gleichstromreihenschlußmotor.
Er kann aber sowohl mit Gleichstrom als auch mit Wechselstrom betrieben
werden. Wegen seiner häufigen Anwendung in elektrischen Haushaltsgeräten,
elektrischen Werkzeugen, oder Elektrolokomotiven die aus dem Wechselstromnetz
bzw. einer Wechselstromquelle gespeist werden, soll er hier im Kapitel
"Einphasige Wechselstrommotoren" behandelt werden.
4.3 Funktionsweise des Universalmotors
|
| Bild 4.1 Schaltbild |
|
| Bild 4.2 Kennlinie |
4.4 Der Einphasen-Induktionsmotor
Wie schon der Name sagt, wird der Einphasen-Induktionsmotor
im Gegensatz zum Drehstrom-Induktionsmotor (=Asynchronmotor, siehe Kapitel
5.4) nur mit einer einphasigen Wechselspannung betrieben.
Als Läufer werden Käfigläufer
(siehe Kapitel 5.4.5.2
und Bild 4.3 = schematischer Aufbau) verwendet.
Im Blechpaket
des Ständers sind zwei Wicklungsstränge untergebracht.
Der Hauptstrang, auch als Hauptwicklung bezeichnet, ist in
2/3 der Ständernuten eingelegt und hat die Anschlussbezeichnungen
U1 und U2. Die Hilfswicklung (Hilfsstrang) Z1, Z2 ist im verbleibenden
Drittel der Ständernuten um 90° zum Hauptstrang räumlich
versetzt, untergebracht. Damit im Läufer eine Spannung induziert wird,
welche für seine Drehbewegung verantwortlich ist, muß das Magnetfeld,
welches von den Haupt- und Hilfswicklungen erzeugt wird, ebenfalls eine
Drehbewegung ausführen. Dazu müssen die in Haupt- und Hilfswicklung
entstehenden Wechselfelder räumlich und zeitlich zueinander
versetzt sein. Man nennt ein solches sich drehendes Magnetfeld Drehfeld
(siehe Kapitel 5.2). Es ermöglich unter
anderem den Selbstanlauf des
Motors.
Bild 4.3
Die Drehfelddrehzahl beim
Einphasen-Induktionsmotor ergibt sich wie bei den Drehstrommotoren aus
der Polzahl und der Netzfrequenz. Die nötige Phasenverschiebung zwischen
den Strömen der Hauptwicklung und der Hilfswicklung, die zur Drehfeldbildung
führt, erreicht man durch eine Kapazität, einen Wirkwiderstand
oder eine erhöhte Induktivität in der Hilfswicklung. Die
entstehenden Drehfelder haben elliptische Form.
In Bild 4.4
kann man ein eben erwähntes Drehfeld elliptischer Form erkennen. Der
weiße Pfeil gibt den Drehsinn des Drehfeldes an.
Bild 4.4
4.4.1 Einphasenmotor mit Widerstandshilfsstrang
Wie bereits angemerkt, bildet sich ein Drehfeld, wenn
eines der drei genannten Elemente in den Hilfsstrang vorgeschaltet
wird. Bei unserem Beispiel soll ein Wirkwiderstand zugeschaltet
werden. Dieser Wirkwiderstand kann auch durch das Wickeln der Hilfswicklung
mit Widerstandsdraht hergestellt werden. Meistens allerdings führt
man die Hilfswicklung als "bifilare Wicklung" aus. Dabei wird einfach
1/3 der Spulenwindungszahl gegenläufig zu den anderen Windungen
gewickelt. Bei einer solchen bifilaren Wicklung wird die induktive Wirkung
teilweise aufgehoben, während der Wirkwiderstand erhalten bleibt.
Wegen Überhitzungsgefahr muß dieser Widerstandshilfsstrang
nach dem Hoch-laufen des Motors auf die Betriebsdrehzahl abgeschaltet werden
(z.B. durch Fliehkraftschalter). Nach dem Abschalten arbeitet der Motor
wie ein Anwurfsmotor.
Motoren mit einem beschränkten Widerstandshilfsstrang
werden mit Nennleistungen bis zu 300 W gebaut. Das Anlaufmoment entspricht
dabei dem Nennmoment. Man verwendet solche Motoren dort, wo vorwiegend
ein stationäres Verhalten, also eine geringe Ein- bzw. Abschalthäufigkeit
auftritt (z.B. für Kühlschrankkompressoren und als Ölbrennermotoren).