5 Drehstrommotoren
Aufbau und Wirkungsweise eines Drehstrommotors basieren
auf einem sogenannten Drehfeld, welches von einem dreiphasigen
Wechselstrom (=Drehstrom) gespeist wird. Das Drehfeld, dessen Wicklungen
stets am Ständer des Motors angebracht sind, kann eine Spannung im
Läufer induzieren (wir sprechen von einem Drehstrom-Asynchronmotor)
oder in Wechselwirkung mit dem Magnetfeld des Läufers treten (wir
sprechen von einem Drehstromsynchronmotor). Bevor wir allerdings
auf die verschiedenen Drehstrom-Motortypen eingehen, wollen wir zunächst
die Wirkungsweise des Drehfeldes untersuchen.
5.2 Das Drehfeld
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| Bild 5.1 a) Dreieickschaltung b) Sternschaltung |
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| Bild 5.2 Flußdichtevektoren a) t=t b) t=t |

Tabelle für Synchrondrehzahlen bei f = 50Hz
5.3 Arten von Drehfeldmaschinen
Zu rotierenden Drehfeld- oder Drehstrommaschinen
zählt man im Allgemeinen Drehstromasynchron- und Drehestromsynchronmaschinen.
Bei letzterer setzen wir vom prinzipiellen Aufbau her eine Innenpolmaschine
voraus, sodaß wir bei sämtlichen Drehstrommaschinen den gleichen
Ständeraufbau mit der gleichen dreisträngigen Drehstromwicklung
erhalten. Diese Drestrommaschinen unterscheiden sich dann nur mehr bezüglich
ihres Läuferaufbaus.
In Bild 5.3 unten sehen wir die eben genannten Drehfeldmaschinen.
5.3 a) zeigt eine Asynchronmaschine, 5.3 b) zeigt eine Synchronmaschine.
Bild 5.3 a) Asynchronmaschine b) Synchronmaschine
5.4.1 Geschichtliches zum Asynchronmotor
Die Wirkungsweise eines Asynchronmotors beruht
im Wesentlichen auf der Entstehung eines Drehfeldes durch eine mehrsträngige
Wicklung. Die Erfindung dieser Wicklung fällt in die Zeit um 1885.
Sie wurde vom Italiener Galileo Ferraris und vom Kroaten Nicola Tesla gemacht.
Michael von Dolivo-Dobrowolski baute schließlich im Jahre 1889 erstmals
einen dreiphasigen Asynchronmotor. Von ihm wurde auch der Name Drehstrom
geprägt. Zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jh. wurden sowohl
Motoren mit Schleifring- als auch mit Käfigläufern
gefertigt.
Der Asynchronmotor mit Käfigläufer besitzt
im Gegensatz zum Gleichstrommotor den Vorteil, daß er wesentlich
einfacher und robuster gebaut werden kann. Er ist deshalb auch preisgünstiger
und bedarf nur einer geringen Wartung.Von Nachteil allerdings ist die nach
n » n1
= f1/p enge Bindung der Betriebsdrehzahl
an die Frequenz der Ständerspannung. Das heißt, im normalen
50 Hz-Netzbetrieb sind damit nur Werte um 3000 min/s, 1500 min/s, 1000
min/s usw. erreichbar. Erst die Entwicklung der Leistungselektronik und
insbesondere der Frequenzumrichter haben Verfahren zur verlustarmen
Drehzahlsteuerung der Asynchronmotoren gebracht.
Kleine Asynchronmotoren unter 1 kW Leistung werden heute
vor allem in großer Stückzahl als Einphasenmotoren (siehe auch
Kapitel 4.4) für Haushalt und Gewerbe gebaut. Im Bereich der mittleren
Leistung herrscht der Käfigläufermotor für 220 V / 380 V
Drehspannung vor. Die erbrachte Grenzleistung für Asynchronmotoren
steigt in etwa proportional zur Polzahl an und liegt bei Verwendung der
normalen Luftkühlung für vierpolige Motoren bei ca. 30 MW. Die
größten Asynchronmotoren werden bei Spannungen von 3,6 bis max.
10 kV zum Antrieb von Kesselspeisepumpen in Kraftwerken und als Turboverdichter
in Stahlwerken sowie in der chemischen Industrie verwendet.
5.4.3 Prinzip eines Asynchronmotors
Der Läufer wird als geschlossene Leiterschleife
ausgeführt, die sich in der Bohrung des Ständers
bewegen kann.
Wenn ein solcher Motor an ein Drehstromnetz angeschlossen
wird, bildet sich im Raum, in dem sich der Läufer befindet, augenblicklich
ein Drehfeld mit der Drehzal nS aus.
Die Leiterschleife steht im Einschaltmoment noch still (n = 0). Deshalb
treten durch das schnell rotierende Drehfeld starke zeitliche Änderungen
des von ihr erfaßten magnetischen Flusses auf. In der Schleife wird
deshalb nach dem Induktionsgesetz (siehe Kapitel 1.2) eine Spannung
induziert, die einen kräftigen Strom erzeugt, der der Lenzschen
Regel unterliegt. Das Feld des Läuferstroms ist demzufolge beim
Zusammenwirken mit dem Drehfeld bestrebt, der Induktionsursache entgegenzuwirken.
Ursache für die Induktion aber ist die Relativgeschwindigkeit
zwischen Drehfeld und
Läufer. Um sie abzubauen, muß sich der Läufer mit der Drehzahl
n in Richtung des Drehfeldes in Bewegung setzen. Die Schlupfdrehzahl D
n = nS – n wird zwar dadurch
kleiner, sorgt aber in der nun rotierenden Leiterschleife immer noch für
einen Induktionsstrom, der bestrebt ist, D
n zu verkleinern und somit n zu vergrößern. Das würde heißen,
daß die Drehzahl der Maschine nach dem Einschalten ständig zunimmt.
Der Zustand n = nS mit der Relativ-drehzahl
D n = 0 kann dabei allerdings nicht erreicht
werden, da sich dann der den Läufer durchsetzende Fluß F
wegen der gleichen Rotationsgeschwindigkeit von Drehfeld und Läufer
nicht mehr ändern würde, sodaß kein Induktionsstrom und
keine Kraftwirkung mit dem Drehfeld mehr auftreten könnten.
Bild 5.4 Asynchronmotor
Für die Funktion eines Asynchronmotors ist es vielmehr
vonnöten, daß stets ein gewisser Wert der Schlupfdrehzahl
aufrechterhalten wird, sodaß noch ein Strom im Läufer induziert
wird. Die Drehzahl n des Motors muß daher immer etwas kleiner als
die Drehfeld- oder Synchrondrehzahl sein; deshalb erklärt
sich auch auch der Name Asynchronmotor. Man verwendet auch die Bezeichnung
Induktionsmotor, da im Läufer stets eine vom Drehfeld induzierter
Strom fließt.
Das Ständergehäuse eines Asynchronmotors kann
entweder eine Schweißkonstruktion sein oder aus Guß gefertigt
werden.
Das Gehäuse nimmt ein geschichtetes Eisenpaket auf,
das aus gegeneinander isolierten Dynamoblechen besteht. In Bild
5.5 kann man das auf den Ständer montierte Blechpaket gut erkennen.
Längs der Bohrung werden Nuten in das Blechpaket gefräst,
in die meist eine dreisträngige Wicklung eingebracht wird.
Diese Nuten sind bei Maschinen kleiner bis mittlerer Leistung oft
halb
Bild 5.5
geschlossen, sodaß die Drähte der Wicklung einzeln eingeträufelt
werden müssen (Träufelwicklung, siehe Bild 5.6). Soll ein Motor
hinge-gen mit einer größeren Spannung versorgt und demzufolge auch eine größere Leistung
erbringen, so verwendet man offene Nuten und vorgefertigte isolierte Formspulen.
Bild 5.6
5.4.5 Der Läufer beim Asynchronmotor
So wie der Ständer trägt auch der Läufer
ein geschichtetes Blechpaket mit Nuten zur Aufnahme der Läuferwicklung.
Es kann direkt an der Welle oder auf einer eigenen Trägerkonstruktion
befestigt werden. Um den Amperewindungsbedarf für die Luftspaltinduktion
der Maschine möglichst gering zu halten, wird der Luftspalt zwischen
Ständer- und Läuferblechen so klein wie konstruktiv möglich
gehalten. Bei Motoren bis
zu mittleren Leistungen liegt der Abstand Ständer-Läufer bei
einigen Zehntel Millimetern. Wie vorher bereits erwähnt wurde, können
in die Nuten des Läuferblechpakets Wicklungen eingelegt werden.
Einen solchen Läufer, der zudem mit Schleifringen ausgestattet
ist, nennt man Schleifringläufer (siehe 5.4.5.1).
Anstatt der Wicklungsstränge können allerdings
auch Profilstäbe aus Kupfer, Bronze oder Aluminium
in die Nuten eingeschoben werden, die auf beiden Seiten des Läufers
durch Ringe des entsprechenden Materials miteinander verbunden sind.
Wir bezeichnen diesen Läufer aufgrund seiner Käfigform als Käfig-
oder Kurzschlußläufer (siehe 5.4.5.2, sowie Bild 4.3).
Die beiden eben genannten Läufertypen sollen nun
getrennt voneinander betrachtet werden. Da sich wesentliche Unterschiede
zwischen den verschiedenen Asynchron-motoren meist auf die Andersartigkeit
des Läufers beschränken lassen. Der Aufbau des Ständers
ist nämlich meist derselbe: Er besteht aus einem dreisträngigen
Wicklungssystem, das über ein Drehstromnetz gespeist wird.
5.4.5.1 Asynchronmotor mit Schleifringläufer (AMSL)
Der Ständer des Asynchronmotors mit Schleifringläufer
(AMSL) ist, wie bisher beschrieben, mit einer dreisträngigen Wicklung
ausgestattet.
Die Wicklungsanfänge U1, V1 und W1 der drei Stränge
(siehe Bild 5.7, nächste Seite) und deren Enden U2,V2 und W2 werden
an das Klemmenbrett des Ständers angeschlossen. Je nachdem
wie die Wicklungsanfänge bzw. -enden am Klemmenbrett miteinander verbunden
werden, erhält man eine Stern- oder Dreieckschaltung.
Bild 5.7 a) Klemmbrett b) Sternschaltung c) Dreieckschaltung
Bild 5.8 a) Schleifringläufer b) Schaltbild
So wie der Ständer trägt auch der Läufer beim AMSL eine dreisträngige Wicklung, die aber grundsätzlich in Stern geschaltet ist, was durch eine Verbindung der drei Wicklungsenden innerhalb des Läufers erreicht werden kann. Die übrigbleibenden Wicklungsanfänge werden über Schleifringe an das Klemmbrett des Läufers nach außen geführt. Hier können Widerstände oder Stromrichter zur Beeinflussung des Betriebsverhaltens des Motors angeschlossen werden, d.h. der Läuferkreis ist von außen elektrisch zugänglich.
Bild 5.8 a) zeigt den Aufbau eines Schleifringläufers.
Besonders beachten sollte man die drei Ringe auf der rechten Seite des
Läufers, die hier gut sichtbar sind. Bild 5.8 b) zeigt das Schaltsymbol
eines Asynchronmotors mit Scheifringläufer.
5.4.5.2 Asynchronmotoren mit Käfigläufer (AMKL)
Der Ständer des Asynchronmotors mit Käfigläufer
(AMKL) ist prinzipiell gleich wie der Ständer beim AMSL aufgebaut.
Der Unterschied besteht im Läufer. Die Läufer-nuten sind nämlich
nicht mehr mit Wicklungen ausgelegt, sondern mit Profilstäben
aus Kupfer, Bronze oder Aluminium versehen. Diese Stäbe sind auf beiden
Seiten des Läufers über Ringe des entsprechenden Materials
miteinander verbunden, sodaß ein einfacher Käfig mit
Längsstäben entsteht. Bei Verwendung von Aluminium hingegen gießt
man die "Läuferwicklung" direkt in die Läufernuten. Bei dieser
Methode sind sehr mannigfaltige Nutausführungen mit Einfach-
oder Doppel-käfigen üblich. Da der Läufer nur die
Aufgabe hat, einen kräftigen Induktionsstrom zu erzeugen
(daher auch der Name Kurzschlußläufer) bedarf es nicht unbedingt
einer komplizierten Käfigform, wie in Bild 5.9 dargestellt.
Motoren mit solchen oder auch mit beliebigen anderen Käfigläufern sind
sehr robust und wenig störanfällig. Asynchronmotoren mit Käfigläufer
haben im Vergleich zum Gleichstrommotor oder zum AMSL keinen Kollektor
und keine Schleifringe. Diese beiden Elemente sind nämlich oft wegen
des Funkenflugs, den sie verursachen, für Störungen des Motorbetriebs
verantwortlich. Beim Kurzschlußläufer- oder Käfigläufermotor
ergeben sich keine solchen
Störungen, sodaß er meistens weitgehend wartungsfrei ist. Seit
Mitte der 70er Jahre hat man außerdem gelernt, die Regeleigenschaften
dieses Motors besser auszunutzen, sodaß man heute auch den AMKL sehr
oft für geregelte Antriebe verwendet. Für ungeregelte
Antriebe wurde er ohnehin schon immer verwendet.
Bild 5.9 Käfigläufer
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| Bild 5.10 Transformatorersatzschaltbild |

5.4.7 Drehzahl-Drehmomenten-Kennlinie
5.4.7.1 Kleine Schlupfwerte, s < 0,1:
Da R1 » R2`, ist R1 + R2` / s » R2` / s. Aus der Gleichung f2 = s f1 können wir ableiten, daß der läuferseitige, frequenzproportionale Widerstand Xi wegen f2 < 5 Hz sehr klein ist, sodaß im Läuferkreis nur der Widerstand R2` / s wirksam ist. Wir können also aus Bild 5.11 b) das abgeänderte Ersatzschalbild und das zugehörige Zeigerdiagramm nach Bild 5.12 a) und b) ableiten.
Bild 5.12 a) Ersatzschaltbild für s<0,1 b) Zeigerbild s<0,1 c) Zeigerbild s>0,1
Iµ fließt
durch den Hauptwiderstand Xh
und ist für die Ausbildung des magnetischen Flusses in der Maschine
verantwortlich. Er heißt deshalb magnetisierungs- oder feldbildender
Strom. Da Iµ ^
U1 ist er ein reiner Blindstrom,
da er keine Wirkleisung erzeugt.
I2` fließt
durch den Widerstand R2` / s,
ist folglich mit der Ständerspannung in Phase (I2`
|| U1) und somit reiner Wirkstrom.
Er bringt eine Wirkleistung hervor und ist demzufolge für die Bildung
der mechanischen Motorleistung bzw. des Drehmoments verantwortlich.
In diesem Zusammenhang heißt er auch momentbildender Strom.
Da das Ersatzschlatbild nach Bild 5.12 nur für jeweils
einen Strang gilt, muß die gesamte von der Maschine aufgenommene
Wirkleistung das Dreifache einer Strangleistung sein.
P = 3 I2`²
R2` / s
Diese Leistung steht auf der Läuferseite für
die Bildung des Drehmomentes M zur Verfügung. Die geringen Verluste,
die im Läufer entstehen, sollen dabei vernachlässigt werden.Weil
das Drehmoment aus dem Drehfeld gebildet wird, können wir die vorhin
angeschriebene Gleichung auch mittels mechanischer Größen ausdrücken:
P = W S M.
W S = 2p nS ist die Winkelgeschwindigkeit des Drehfeldes. Durch Gleichsetzen der beiden vorherigen Gleichungen und durch die Beziehung I2` = U1* / R2 mit U1*, die wir aus Bild 5.11 b) entnehmen, ergibt sich die Gleichung:
M = (2.7 / W s) (U1² / R2`) s
Im Bereich kleiner Schlupfwerte steigt das von der Maschine
abverlangte Drehmoment linear mit dem Schlupf an ( siehe Anfangsteil der
Kennlinie nach Bild 5.13 a)).
5.4.7.2 Große Schlupfwerte, s > 0,1:

Für größere Schlupfwerte steigt die Frequenz des Läuferstroms, womit die Streublindwidestände auf der Läuferseite nicht mehr vernachlässigbar sind und deshalb das komplette Ersatzschaltbild nach Bild 5.11 a) zu benutzen ist. I2` verläuft nun nicht mehr parallel zu U1, sondern bekommt eine Blindkomponente auf Kosten der Wirkkomponente, die für die Momentbildung verantwortlich ist (Bild 5.12c)). Die Folge ist zunächst ein weniger als linear ansteigendes, bei höheren Schlupfwerten, d.h. höheren Frequenzen, sogar abfallendes Drehmoment (Bild 5.13 a)).
Bild 5.13 b) zeigt die gesamte Drehzahl-Drehmomenten-Kennlinie des Asynchronmotors in üblicher Darstellung. Die Leerlaufdrehzahl n0 gilt für M = 0 und entspricht näherungsweise der Synchrondrehzahl ns. Das größte Moment, welches die Maschine entwickeln kann, ist das Kippmoment MK. Die zugehörige Drehzahl ist die Kippdrehzahl nK. Der Kippschlupf wird mit folgender Gleichung festgelegt:
sK = (nS – nK) / nS.
Er kann bis zu 30% betragen. Das bei der Drehzahl n =
0 bzw. beim Schlupf s = 1 vorhandene Drehmoment heißt folgerichtig
Anlaufmoment. Das Moment, für welches der Motor bemessen ist,
mit dem er also im Dauerbetrieb belastet werden darf, heißt Nennmoment
MN des Asynchronmotors. Es
entspricht etwa dem 0,3 bis 0,4fachen des Kippmoments. Die sich bei Belastung
mit dem Nennmoment einstellende Drehzahl ist die Nenndrehzahl nN.
Der zugehörige Schlupf wird als Nennschlupf sN
bezeichnet.
Der Asynchronmotor wird stets so belastet, daß er
in der Nähe des Nennmomentes, zumindest aber im linearen Teil der
Kennlinie, arbeitet. Die anderen Kennlinienteile werden nur beim Anlassen
und beim Bremsen durchlaufen.
Die Kennlinie nach Bild 5.13 b) kann man analytisch durch
folgende Näherungsgleichung darstellen. Sie heißt Kloss‘sche
Beziehung.
M / MK = 2 ((s / sK) + (sK /s))
Kapitel 5.4.7.2 nach: [Busch (1994)] Busch, R.; Elektrotechnik und Elektronik, S. 354-355
Die Drehzahlstellung kann über mehrere Komponenten erfolgen. Dazu lösen wir zunächst die Gleichung s = (ns – n) / ns auf die Drehzahl n auf, und setzen für die Drehzahl des Drehfeldes f1 / p gemäß der Gleichung ns = f1 / p ein.
Wir erhalten folgende Gleichung:
n = ns (1 – s) = (f1 / p) (1 – s).
Die Gestalt der Drehzahl-Drehmomenten-Kennlinie kann demzufolge
über die Frequenz der Ständerspannung f1,
die Polpaarzahl p und den Schlupf s beeinflußt werden.
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| Bild 5.14 Frequenzsteuerung |
Betrachten wir die Gleichung ns = f1 / p. Falls wir hier die Polpaarzahl p verändern, kann die Synchrondrehzahl entsprechend beeinflußt werden (siehe auch Tabelle,Seite 26). Die daraus resultierende Wirkung kommt allerdings einem Stufengetriebe gleich. In Bild 5.15 a) sehen wir die Kennlinien für p = 1 und p = 2.

Bild 5.15
a) Polumschaltung b) Ständerspannngssteuerung
Wir möchten aber stufenlose Übergänge zwischen
den verschiedenen Drehzahl-bereichen erhalten. Da die Polpaarzahl p nicht
verändert werden kann (sie ist durch die Ständerwicklung festgelegt),
gibt es für diese Steuerungsmethode folgende zwei Möglichkeiten:
Entweder benutzt man zwei völlig voneinander getrennte Wicklungen,
eine zweipolige (p = 1) und eine vierpolige (p = 2) und schaltet die jeweils
erforderliche ein, die andere hingegen aus. Oder man führt die Ständerwicklung
so aus, daß bei p = 2 die für p = 1 vorgesehene Wicklung mitbenutzt
wird, die Wicklungen also schaltbar sind. Diese letztere Wicklung wird
bei weitem bevorzugt. Sie heißt nach ihrem Erfinder Dahlanderwicklung.
Die Methode der Polumschaltung ist nur bei Kurzschlußläufermotoren
üblich. Man verwendet sie insbesondere bei Antrieben für
Werkzeugmaschinen und Hebezeugen.
Der Schlupf ist über die Ständerspannung
und über den Läuferwiderstand beeinflußbar (Bild
5.16 a)). Diese beiden Methoden wollen wir nun näher untersuchen.
Ständerspannungssteuerung:
In Bild 5.16
b) sehen wir, daß sämtliche Kennlinien eine konstant bleibende
Kippdrehzahl aufweisen.
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Bild 5.16 a) AMSL mit Läuferzusatzwiderständen b) Läuferwiderstandssteuerung |
Läuferwiderstandssteuerung:
Diese Methode kann nur bei Schleifringläufermotoren
angewendet werden. Ähnlich wie bei einem Gleichstrommotor werden über
das Klemmbrett Zusatzwiderstände in den Läuferkreis eingeschaltet.
Bild 5.16 b) zeigt das Kennlinienfeld für drei verschiedene
Widerstände Rv. Auf-fallend
ist das durch den Läuferwiderstand unveränderte Kippmoment. Durch
Ver-größerung des Vorschaltwiderstandes vergrößert
sich auch das Anlaufmoment MA.
Bei einem bestimmten Widerstand kann man sogar MA
= MK erreichen. Aus diesem Grund
wird die Läuferwiderstandssteuerung sehr oft bei Schwerstanläufen
verwendet. Sie erzeugt nämlich ein großes Losreismoment,
welches etwa bei Drehrohröfen in der Zementindustrie oder bei Kranantrieben
erforderlich ist.
5.4.9 Änderung der Drehrichtung
Um die Drehrichtng des Motors bzw. des Läufers zu
ändern, muß zunächst die Drehrichtung des Drehfeldes geändert
werden. Eine Drehfeldänderung erreicht man durch Vertauschen zweier
beliebiger Zuleitungsanschlüsse am Klemmbrett.
5.4.10 Anlassen von Asynchronmotoren
Schleifringläufermotoren werden grundsätzlich
über schaltbare Läuferwiderstände angelassen. Bei
Kurzschlussläufern hingegen gibt es verschiedene Methoden:
Motoren, deren Leistungen in einem Bereich von unter 5
kW liegen, können direkt eingeschaltet werden. Man muß allerdings
beachten, daß im Einschaltmoment wegen des dann großen Schlupfes
(s = 1) eine hohe Spannung im Läufer induziert wird und deshalb auch
sehr hohe Ströme fließen. Sie können Werte erreichen, die
dem 4 bis 8fachen des Nenn-bzw. Bemessungsstroms entsprechen.
Bei Motoren mit größeren Leistungen benötigt
man Anlaßhilfen. Dies können Anlaßtransformatoren
oder Drehstromsteller sein. Bei kleinen bis mittleren Leistun-gen
hingegen verwendet man häufig eine Stern-Dreieckschaltung.
Bei dieser Methode wird die eigentlich für Dreieckschaltung bemessene
Wicklung für den Anlaufvorgang in Stern geschaltet. Nach Erreichen
der ungfähren Nenndrehzahl wird von Stern auf Dreieck umgeschaltet.
Nehmen wir als Beispiel eine 400 V Wicklung her. In Sternschaltung
liegt an ihr nur eine Spannung von 400 / 1.732 = 230 V an. Damit ist auch
der Strom kleiner, der durch die Spule fließt. Sie nimmt nämlich
nur mehr ein Drittel des Stromes auf, der bei Dreieckschaltung fließen
würde. Folglich ist auch zu beachten, daß der Motor in Sternschaltung
auch nur ein Drittel des bei Dreieckschaltung möglichen Drehmomen-tes
entwicklelt. Das Anlaufmoment verhält sich ähnlich (siehe Bild
5.17 a)).

Bild 5.17 a) Kennlinie bei Stern und Dreiecksschaltung b) Kennlinie bei versch. Läuferstabformen
Diese Verringerung des Anlaufmomentes hat die Konstrukteure
von Elektromotoren veranlaßt, darüber nachzudenken, wie man
trotz der notwendigen Strombegrenzung hohe Anlaufmomente erreichen kann.
Als Ergebnis hat man einen Motor mit Stromverdrängungsläufer
erfunden. Sein Prinzip ist sehr einfach. Statt der üblichen kreisförmigen
Form gibt man den Längsstäben des Kurzschlußläufers
einen länglichen Querschnitt. Dadurch erreicht man, daß bei
hohen Läuferstromfrequenzen, also beim Einschalten (s = 1, f2
= f1), eine Verdrängung
der Stöme in den Läuferstäben an die Oberfläche erfolgt
(diese Erscheinung nennt man Haut- oder Skineffekt). Diese
Ströme haben einen relativ hohen Widerstand. Der Streublindwiderstand
Xi wird hingegen verkleinert.
Beides führt zu einer Begrenzung des Einschaltstromes und zu einer
Erhöhung des Anlaufmoments.
In Bild 5.17
b) ist dies für den sog. Hochstabläufer und den sog. Doppelkäfigläufer
im Vergleich zum stromverdränungsfreien Rundstabläufer demonstriert.
Für den Doppelkäfigläufer kann die Kennlinien-deformation
so stark sein, daß ein Moment-minimum, ein Sattelmoment Ms,
auftritt.
In Bild 5.18 können wir die genannten Nutformen (rot)
noch einmal stark vergrößert sehen. Der blaue Hintergrund stellt
den Blechkörper des Rotors dar. Die verschie denen Nuten werden folgendermaßen
bezeichnet: a) Rundstabnut, b) Doppelkäfignut, c) Hochstabnut.
Bild 5.18 Nutformen